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Liezener Bezirksnachrichten
 
Ausgabe Nr. 03
 April 2009
Aus der Region
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Wohlfühl-Spezial


Aus der Region: Ein Mädchen?
Zu der Zeit, als ich zur Welt gekommen bin, gab es keine exakten Vorhersagen in Bezug auf das Geschlecht eines ungeborenen Kindes. Man war einzig und alleine auf die Prophezeiungen von lieben Verwandten, die eigenen Mutmaßungen, Hoffnungen, Wünsche und die „ganz sicher richtigen Einschätzungen“ von all Jenen, denen man in der Zeit der Schwangerschaft begegnet ist, angewiesen. Die Enttäuschung am Tag meiner Geburt war sehr groß als man feststellte dass mir „ein kleines Anhängsel“ fehlte, um mich zu dem zu machen, was sich die Familie so sehnlich gewünscht hatte:

 

„ Einen Stammhalter“! Denn diesen brauchte man dringend. Galt es doch, die Weichen für die Unternehmensnachfolge zu stellen. Da es um ein Unternehmen ging, das mit dem Bau- und Baunebengewerbe eng verbunden war und ist, kam ein Mädchen für die Erfüllung dieser Aufgabe natürlich ganz und gar nicht in Frage. So, wie die Buben die Farbe hellblau „zugewiesen“ bekommen, gibt es auch viele Berufe, deren Ausübung scheinbar alleine ihnen vorbehalten bleibt. Das Bau- und Baunebengewerbe inklusive der Zulieferbetriebe aus Handel und Industrie ist so ein von Männern dominiertes Berufsfeld, weil es überwiegend um technisches Verständnis und handwerkliches Geschick geht. Die Neigung zu diesen Fertigkeiten, wird bei vielen Buben von Kind auf wie selbstverständlich gefördert. Und Mädchen? Mädchen werden in eine rosa-lila Glitzerwelt gesteckt mit Puppenküche und Prinzessinnenschloss und träumen von Berufen, die mit den Themen Schönheit, Mode, Reisen und Kindererziehung zu tun haben. Wie viele dieser Vorlieben für bestimmte Berufe auf angeborene Neigungen oder anerzogenes Rollenverhalten zurückzuführen sind, wage ich nicht zu beurteilen. Tatsache ist, dass viele Frauen, beim Wiedereinstieg in die Berufswelt die Möglichkeiten einer zusätzlichen Berufsausbildung nutzen, um sich neue Chancen auf den Arbeitsmärkten zu eröffnen. Erstaunlich oft wählen Frauen, quasi im zweiten Anlauf dann Berufe, die ihre handwerklichen Fertigkeiten und ihr technisches Verständnis zum Vorschein bringen. Um junge Mädchen zu ermutigen und ihnen zu verdeutlichen, dass die Türen in Richtung handwerkliche und technische Berufe auch im „ersten Anlauf“ offen stehen, wurde der „Girls Day“ ins Leben gerufen. Ein Tag, an dem Mädchen der 7.und 8. Schulstufe die Möglichkeit geboten wird, in für Mädchen nach wie vor untypischen Berufsfeldern „Jobluft“ zu schnuppern. Mehr zum Girls Day in unserem Bezirk lesen Sie auf Seite 18, denn schließlich wird es mehr Mädchen geben, die so wie ich, die Farbe Blau der Farbe Rosa bei weitem vorziehen.

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