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Liezener Bezirksnachrichten
 
Ausgabe Nr. 03
 April 2009
Aus der Region
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Aus der Region: Innovation – Jazz statt Symphonie?
Kreativität spielt in Unternehmen von heute, eigentlich ja schon immer, eine wichtige Rolle. In einem sich sehr schnell verändernden Marktumfeld, verdichtetem Wettbewerb, kürzeren Produkt- bzw. Dienstleistungszyklen und nicht zuletzt in Zeiten wirtschaftlicher Rezession, werden Unternehmen nur dann überleben, wenn sie sich einem permanenten Erneuerungsprozess aktiv stellen und diesen auch bewusst initiieren.
Jeder Unternehmer weiß oder sollte wissen, dass Kreativität ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensführung ist und den langfristigen Erfolg der Unternehmensidee und damit den Bestand des Unternehmens sichert. Wie und vor allem wem kann es gelingen, diese anspruchsvolle Denkhaltung dauerhaft umzusetzen? In vielen Veröffentlichungen zum Thema Management wird fälschlicherweise nach charakteristischen Unternehmertypen gesucht, die aufgrund ihrer persönlichen Voraussetzungen quasi „von Natur aus“ dazu in der Lage wären, permanente Erneuerung zu bewirken. Die Kernfrage lautet allerdings nicht, „Wer kann es tun?“, sondern „Was muss getan werden?“ In der Geschichte der Musik gibt es ein schönes Beispiel dafür, dass nicht angeborene Persönlichkeitsmerkmale entscheidend sind, sondern eine Denkhaltung verbunden mit organisatorischem Geschick das Management von Kreativität und Innovation begünstigen. Für viele von uns erscheint in der Musik eine Symphonie als das komplexeste Werk – eine exakte Partitur regelt für jeden Musiker die genaue Ablaufplanung der Einsätze, welche dadurch gleich einem Rezept vorgegeben sind. Der Dirigent – betrachten wir ihn als den klassischen Unternehmer – kann Kreativität nur in fein dosierten Portionen einfließen lassen und z.B. die Stimmungsbilder des gesamten Klanges variieren. Über Duke Ellington (erfolgreicher US-amerikanischer Jazzmusiker) wird berichtet, dass er weder außergewöhnlich begabt, noch ein großer Musiktheoretiker war. Manche zweifeln sogar daran, dass er besonders gut Noten lesen konnte. Er nahm jedoch zweifellos aufgrund der Vielzahl seiner Kompositionen eine führende Position in der Musik des 20. Jahrhunderts ein. Seine Musiker sollen gut, aber nicht einzigartig gewesen sein und trotzdem ist es Duke Ellington gelungen, diese unterschiedlichen Persönlichkeiten zu einer homogenen, sehr kreativen Gruppe zusammen zu schweißen.
Die Mitglieder seiner Band haben den Erfolg damit erklärt, dass er pausenlos Neues schuf, indem er bruchstückhafte Ideen anbot, diese nur in den Grundzügen umriss und dadurch die Mitglieder in eine permanente kreative Denkhaltung transformierte. Die Spieler wussten worum es ging, dachten darüber nach, nahmen die Ideen der Mitspieler auf und haben ihre Parts aufeinander abgestimmt so erledigt, wie es für die gesamte Band am besten erschien. Duke Ellington kannte alle Stärken und Schwächen der Mitglieder seiner Band und soll jeden einzelnen auch immer dazu ermuntert haben, Dinge zu lernen, die sie sich selbst eigentlich nicht zutrauten. Durch das Lernen und Weitergeben dieser gemeinsamen Erfahrungen und dem Abtesten des kreativen Produkts „Musik“ bei den Auftritten (in unmittelbarem Kontakt zum Kunden) konnte das Kreativitätspotential der Gruppe ständig wachsen und erstaunliche Erfolge erzielt werden. Das erfolgreiche Unternehmen der Zukunft wird wohl in vielen Fällen (vor allem in kleinen Unternehmensdimensionen) eher einer Jazzband ähnlich sein als einem Symphonieorchester. Unternehmen werden versuchen die größten Talente anzuziehen und Unternehmer werden nicht alle Ideen selbst liefern (können). Unternehmer dürfen sich nicht auf ihr Alleinentscheidungsrecht, die überwältigende Kraft ihrer Persönlichkeit oder ihr Informationsmonopol verlassen. Innovative Unternehmensführung bedeutet mehr denn je die Mitarbeiter mit der Denkhaltung „Kreativität und Innovation“ zu inspirieren und sich darauf einzustellen eine Jazzband zu „dirigieren“.
Friedrich Kaltenbrunner
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